Interview: Ein Deutscher spricht über den Carlismus/ Entrevista: un alemán habla del carlismo

Der Carlismus kann deshalb traditionellen katholischen Christen weltweit ein Beispiel und wertvolle Hinweise für das gesellschaftliche Engagement in ihren jeweiligen Ländern geben.

Entrevista a Richard Julius. Se puede leer en español más abajo.

1. Richard, welche politischen Ansichten hattest Du zum Zeitpunkt Deiner Bekehrung zum katholischen Glauben? Und wie haben sich diese seit Deiner Entdeckung des Carlismus verändert?

Als ich 2004 katholisch wurde, konnte ich mir eine andere Regierungsform als die bestehende demokratische und liberale Republik kaum vorstellen. Wirtschaftspolitisch war ich ein entschiedener Anhänger des Libertarismus nach Ludwig von Mises, August von Hayek, Murray Rothbard, Hans-Hermann Hoppe, Ludwig Erhard u.a., wonach staatliche Eingriffe in die Wirtschaftstätigkeit grundsätzlich abzulehnen sind.

Nach intensiver Beschäftigung mit der katholischen Glaubenslehre fand ich den Weg zur katholischen Tradition und der lateinischen Messe (Hl. Messe aller Zeiten). Zwei meiner Töchter besuchten dann auch Schulen der Piusbruderschaft (FSSPX) in Deutschland. Im Rahmen des Schulbesuchs einer der beiden Töchter übersiedelten meine Gattin und ich für zwei Jahre nach Süddeutschland und besuchten die dortige Gemeinde der FSSPX, die auch mehrere spanischsprachige Mitglieder aufweist. So kam ich erstmals mit dem Carlismus in Berührung. Besonders beeindruckt am Carlismus hat mich der entschiedene Kampf der carlistischen Tradition für die soziale Königsherrschaft Christi und der Kampf gegen den Liberalismus, der grundlegend für die modernen westlichen Demokratien ist. Dagegen fordert der Carlismus die allein Christus dem König geschuldete Treue in allen geistlichen und weltlichen Angelegenheiten. Die Verkörperung dieser Tradition ist im Fall Spaniens, neben der Heiligen und Katholischen Kirche, die Person des legitimen Königs Don Sixto Enrique de Borbón. Dabei ist für uns Deutsche natürlich ein großes Manko, dass Deutschland seit der Reformation ein religiös und insofern auch kulturell gespaltenes Land ist. Uns fehlt eine intakte Institution, wie der legitime spanische König sie darstellt, als Träger der Tradition und der Idee einer funktionierenden katholischen Gesellschaftsordnung.

2.Was hat es für Dich bedeutet, die politische Tradition des Carlismus Spaniens kennenzulernen?

Das Kennenlernen der politischen Tradition des Carlismus hat bei mir ein sogenanntes «Heureka»-Erlebnis ausgelöst. Ich hatte den Eindruck, erstmals eine schlüssige Synthese für ein wahrhaft katholisches Leben als Verbindung des geistlichen und des politischen Bereichs gefunden zu haben.

3.Glaubst Du, dass die Kenntnis der Grundsätze der katholischen Politik für das politische und persönliche Handeln eines Katholiken in der heutigen Zeit relevant ist?

In einem Artikel der „La Esperanza» von Oscar Méndez vom 03.05.2024 las ich den Ausspruch des Hl. Thomas von Aquin: «Die Ordnung der Schöpfung hängt von der Ordnung des Schöpfers ab». Daraus folgt: «Den Schöpfer zu leugnen bedeutet, das abzuschaffen, was die gesamte Schöpfung erhält». In unseren modernen westlichen Gesellschaften ist der Mensch an die Stelle Gottes getreten und will selbst bestimmen, was der Mensch ist und was gut für ihn ist. Die Verleugnung der göttlichen  Schöpfungsordnung führt zur Abkehr vom christlichen Gemeinwohl, dem Heil der Seelen, zu zuneh-mender Orientierungslosigkeit in allen öffentlichen Bereichen, dem Zerbrechen der Familien, dem Zerfall des gesellschaftlichen Zusammenhalts und dem Verlust der Freiheit.

Dagegen bietet der Carlismus eine Analyse der Ursachen der oben beschriebenen Probleme auf der Grundlage der katholischen Tradition und kann dabei auf das erprobte Funktionieren dieser Gesellschaftsordnung in der Vergangenheit verweisen. Der falsche Ansatz der modernen liberalen Staatsordnung, der auf der Abkehr von der christlichen Schöpfungsordnung beruht und die Gleichheit aller menschlichen Religionen und Kulturen postuliert, erkennt nur das von politischen Mehrheiten festgesetzte Gesetz als verbindlich für sich selbst und seine Ordnung an. Der Carlismus hat diese Form der liberalen Republik von Beginn an konsequent bekämpft und in den vergangenen zwei Jahrhunderten vier Carlistenkriege zur Wiederherstellung der überkommenen katholischen Gesellschaftsordnung in Spanien geführt. Der Carlismus kann deshalb traditionellen katholischen Christen weltweit ein Beispiel und wertvolle Hinweise für das gesellschaftliche Engagement in ihren jeweiligen Ländern geben.

4.Was sind Deiner Meinung nach die größten Schwierigkeiten, die Du im öffentlichen Handeln der traditionellen Katholiken in Deutschland beobachten kannst?

Die größte Schwierigkeit der traditionellen Christen in Deutschland stellt meiner Meinung nach das Fehlen einer angemessenen Form der gesellschaftlichen Repräsentanz und damit verbunden die klare Formulierung der politischen Ziele einer traditionellen katholischen Gesellschaftsordnung dar, wie etwa: Die katholische Kirche und der katholische Staat fördern gemeinsam das Gemeinwohl, d.h. das Heil der Seelen im Sinne der traditionellen katholischen Lehre; Die Kirche greift nicht in die Politik ein, die Eliten und Institutionen unterstehen aber den moralischen Forderungen der katholischen Soziallehre; Das Subsidiaritätsprinzip gilt für alle gesellschaftlichen Ebenen. Jede Ebene gestaltet ihre Ordnung nach den vorherrschenden regionalen Traditionen, Bräuchen und kulturellen Eigenheiten soweit als möglich selbständig. Nur wenn keine Einigung erzielt werden kann, greift die nächst höhere Ebene ein; etc. Leider stehen bisher keine Institutionen, Parteien oder Vereine bereit, die diese Positionen deutlich und effektiv in der Öffentlichkeit vertreten können.

5.Welche Inspiration gibt Dir der Rückblick auf die Geschichte des Carlismus, und welche Artikel aus der Zeitschrift La Esperanza haben Dir am besten gefallen?

Der Carlismus inspiriert mich zum entschiedenen Kampf für den überlieferten katholischen Glauben und dem in der Vergangenheit manifestierten festen Willen, die Königsherrschaft Jesu Christi in der modernen Gesellschaft wieder herzustellen.

Die Zeitschrift La Esperanza halte ich für eine hervorragendes Mittel der Inspiration für alle traditionellen Katholiken. Die Mischung aus hochkarätigen philosophischen und wissenschaftlichen Artikeln, Berichten über die vielfältigen Aktionen und Treffen der Carlisten in der gesamten «Spanischen Welt», Berichten über die katholischen Heiligenfeste, Abdruck glaubenstreuer Predigten

und Erfahrungsberichte sowie Hinweise auf Veranstaltungen und Buchvorstellungen, die zu meinem großen Bedauern nicht in deutscher Sprache verfügbar sind, machen die tägliche Lektüre zu einem Lichtblick für mich.

6.Inwiefern können die Artikel aus La Esperanza Deiner Meinung nach für die traditionelle katholische Gemeinschaft nützlich sein?

Die Artikel der Zeitschrift La Esperanza bieten ein ausgezeichnetes Forum für geistliche und politische Orientierung der katholischen Tradition. Sie sind geeignet, die Verbundenheit auch mit Christen der Tradition anderer Länder zu fördern und einen befruchtenden Austausch mit den spanischen Erfahrungen zu eröffnen.

7.Wärst Du bereit, mit Kreisen der traditionalistischen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten oder deren Publikationen zu verbreiten?

Gerne wäre ich zu einer vertieften Zusammenarbeit mit den Kreisen der traditionellen Gemeinschaft bereit wie auch zur Verbreitung entsprechender Publikationen.

Richard Julius

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1.Richard, ¿qué opiniones políticas tenías en el momento de tu conversión a la Fe católica? ¿Y cómo han cambiado desde tu descubrimiento del carlismo?

Cuando me hice católico en 2004, apenas podía imaginar otra forma de gobierno distinta de la república democrática y liberal existente. En política económica, era un decidido partidario del libertarismo según Ludwig von Mises, August von Hayek, Murray Rothbard, Hans-Hermann Hoppe, Ludwig Erhard y otros, según el cual las intervenciones estatales en la actividad económica deben rechazarse en principio. Tras un intenso estudio de la doctrina católica, encontré el camino hacia la Tradición católica y la misa por el rito romano tradicional (la Santa Misa de todos los tiempos). Dos de mis hijas asistieron posteriormente a escuelas de la Fraternidad Sacerdotal San Pío X (FSSPX) en Alemania. Con motivo de la escolarización de una de ellas, mi esposa y yo nos trasladamos durante dos años al sur de Alemania y asistimos a la comunidad local de la FSSPX, que también cuenta con varios miembros hispanohablantes. Fue así como entré por primera vez en contacto con el carlismo.

Lo que más me impresionó del carlismo fue la decidida lucha de la tradición carlista por la realeza social de Cristo y su combate contra el liberalismo, que constituye la base de las democracias occidentales modernas. Frente a ello, el carlismo exige la fidelidad debida únicamente a Cristo Rey en todos los asuntos espirituales y temporales. La encarnación de esta tradición es, en el caso de España, además de la Santa Iglesia Católica, la persona del legítimo rey Don Sixto Enrique de Borbón. Para nosotros, los alemanes, existe naturalmente una gran desventaja: desde la Reforma, Alemania ha sido un país dividido religiosa y, por tanto, también culturalmente. Nos falta una institución íntegra, como la que representa el legítimo rey español, portador de la tradición y de la idea de un orden social católico funcional.

2.¿Qué significó para ti conocer la tradición política del carlismo español?

Conocer la tradición política del carlismo supuso para mí una auténtica experiencia de «¡eureka!». Tuve la impresión de haber encontrado por primera vez una síntesis coherente para una vida verdaderamente católica, como unión de la esfera espiritual y la política.

3.¿Crees que el conocimiento de los principios de la política católica es relevante para la acción política y personal de un católico en la actualidad?

En un artículo de La Esperanza de Óscar Méndez, publicado el 03/05/2024, leí una cita de Santo Tomás de Aquino: «El orden de la creación depende del orden del Creador». De ello se sigue que: «Negar al Creador significa abolir aquello que sostiene toda la creación». En nuestras sociedades occidentales modernas, el hombre ha ocupado el lugar de Dios y quiere determinar por sí mismo qué es el ser humano y qué es bueno para él. La negación del orden divino de la creación conduce al abandono del bien común cristiano, es decir, de la salvación de las almas; a una creciente desorientación en todos los ámbitos públicos; a la desintegración de las familias; a la ruptura de la cohesión social; y a la pérdida de la libertad.

Frente a ello, el carlismo ofrece un análisis de las causas de los problemas descritos anteriormente sobre la base de la tradición católica, pudiendo además señalar el funcionamiento probado de este orden social en el pasado. El enfoque erróneo del moderno Estado liberal, basado en el abandono del orden cristiano de la creación y que postula la igualdad de todas las religiones y culturas humanas, solo reconoce como vinculante para sí mismo y para su ordenamiento la ley establecida por las mayorías políticas. El carlismo ha combatido de manera consecuente esta forma de república liberal desde sus inicios y, en los dos últimos siglos, ha librado cuatro guerras carlistas para restaurar el orden social católico tradicional en España. Por ello, el carlismo puede servir de ejemplo y ofrecer valiosas orientaciones a los cristianos católicos tradicionales de todo el mundo para su compromiso social en sus respectivos países.

4.En tu opinión, ¿cuáles son las mayores dificultades que observas en la actuación pública de los católicos tradicionales en Alemania?

A mi juicio, la mayor dificultad para los cristianos tradicionales en Alemania es la falta de una forma adecuada de representación social y, vinculada a ello, la formulación clara de los objetivos políticos de un orden social católico tradicional, como por ejemplo: que la Iglesia católica y el Estado católico promuevan conjuntamente el bien común, es decir, la salvación de las almas según la doctrina católica tradicional; que la Iglesia no intervenga en la política, pero que las élites y las instituciones estén sujetas a las exigencias morales de la doctrina social católica; que el principio de subsidiariedad se aplique a todos los niveles de la sociedad. Cada nivel debe organizarse de forma autónoma, en la medida de lo posible, de acuerdo con las tradiciones, costumbres y particularidades culturales predominantes en su región. Solo cuando no pueda alcanzarse un acuerdo, intervendrá el nivel inmediatamente superior; etc. Lamentablemente, todavía no existen instituciones, partidos o asociaciones que puedan defender estas posiciones de manera clara y eficaz ante la opinión pública.

5.¿Qué inspiración te proporciona la historia del carlismo y qué artículos de La Esperanza te han gustado más?

El carlismo me inspira a luchar decididamente por la Fe católica tradicional y por la firme voluntad, manifestada en el pasado, de restaurar la realeza de Jesucristo en la sociedad moderna. Considero que La Esperanza es un excelente medio de inspiración para todos los católicos tradicionales. La combinación de artículos filosóficos y científicos de gran nivel, informes sobre las diversas actividades y encuentros de los carlistas en todo el «Mundo Hispánico», reportajes sobre las festividades de los santos católicos, la publicación de sermones fieles a la Fe y de testimonios, así como los anuncios de eventos y presentaciones de libros —que, para mi gran pesar, no están disponibles en alemán— convierten su lectura diaria en un motivo de alegría para mí.

6.¿En qué medida crees que los artículos de La Esperanza pueden ser útiles para la comunidad católica tradicional?

Los artículos de La Esperanza ofrecen un excelente foro de orientación espiritual y política para la Tradición católica. Son adecuados para fomentar los vínculos con cristianos de la tradición en otros países y para abrir un fructífero intercambio con las experiencias españolas.

7.¿Estarías dispuesto a colaborar con círculos de la comunidad tradicionalista o a difundir sus publicaciones?

Con mucho gusto estaría dispuesto a una colaboración más estrecha con los círculos de la comunidad tradicional, así como a la difusión de las publicaciones correspondientes.

Richard Julius

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